Sozialarbeiter

Es war einmal ein Sozialarbeiter, der beschloss er müsste Autor werden. Kein besonderes Guter, freilich nicht. Aber er machte es sich zur Lebensaufgabe, sein gesamtes rhetorisches Unvermögen unverblümt zu Papier zu bringen. Und wie er so da saß, und ein Lehrbuch über Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit verfasste, da fühlte er sich richtig gut. Gut mit einem kleinen Schnuff Boshaftigkeit und einer Prise Legasthenie, aber im Grunde gut. So hieb der arme Tropf also erbarmungslos in die Tasten. Die Tasten wollten sich beschweren, aber dieser Luxus war ihnen nicht vergönnt, so trugen sie ihr Schicksal stillschweigend. Einige der Tasten gründeten eine Gewerkschaft und wollten den Sozialarbeiter vor dem oberen Gerichtshof wegen Tastenrechtsverletzung verklagen, aber der hatte seinen Sitz in der Taste Q, welche nur selten vom Sozialarbeiter gehauen wurde. Die Klage wurde abgewiesen und die Tasten mussten die Gerichtskosten tragen. Während der Sozialarbeiter also seine Tastatur misshandelte, überlegte er wie er seine Texte bloß noch an eckender gestalten könne. Und da kam ihm der rettende Gedanke. Er schrieb fortan so lange Sätze, zuweilen vergaß er worum es ihm eigentlich ging. Aber er störte sich nicht groß daran, sondern hackte einfach weiter zusammenhangslosen Kram in seinen armen Computer. Der Computer des Sozialarbeiters war wirklich sehr zu bedauern, nicht nur dass dieser so lange Sätze schrieb dass es einem die Zehennägel beim Lesen kräuselte. Nein, damit noch nicht genug der Abscheulichkeiten. Er bediente sich eines Vokabulars, das bereits vor 200 Jahren erfolgreich ausgestorben war, und damit bis zu jenem schicksalhaften Tag auch sehr glücklich gewesen war. Dazu muss man erwähnen, dass die Leute damals einfach Mitleid mit dem armen Vokabular hatten, und so führten sie es eines schönen Tages hinters Haus und erschlugen es in einem grenzenlosen Akt der christlichen Barmherzigkeit mit einer rostigen Schaufel. Seitdem lag das Vokabular ziemlich tot hinterm Haus und erfreute sich so seines Lebens. Es war ziemlich zufrieden mit seinem neuen Zustand, bis eben jener unsägliche Sozialarbeiter das glücklich ausgestorbene Vokabular auf Teufel komm raus exhumieren musste. Und so kam es, dass der Computer des Sozialarbeiters sich mit diesem Problem befassen musste. Er war wirklich konsterniert über diesen Umstand bodenloser Frechheit. Aber den Sozialarbeiter kümmerte all das Leid nicht, und so verfasste er ein weiteres Kapitel über das Trippelmandat. Das Wort Trippelmandat schämte sich so sehr ob seiner Hässlichkeit, es wollte davon trippeln. Am Ende des Tages war der Sozialarbeiter erschöpft. Er hatte den ganzen Tag Unsinn verzapft, und das immerhin 700 Seiten lang. Im Großen und Ganzen war er schon sehr stolz auf sich. Bevor er zu Bett ging, würzte er seine Texte noch mit einem Hauch von Relativierung der eigenen Aussagen und einer obszönen Beleidigung der Leser. Die Beleidigung allerdings war ihm wirklich gut gelungen, da fand er eine äußerst schallende. So ging er zu Bett und träumte glücklich beseelt von großem Blödsinn. Und wenn er nicht gestorben ist, dann tippt er immer noch zusammenhangslose Wörter in seinen bemitleidenswerten Rechner.

#poetry


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