Herbsthain


Poetry

Kennst du das, wenn du dich gefangen fühlst? Wenn du der Vogel im Käfig bist? Die Tür steht offen, doch du findest den Weg nicht? Kennst du das, wenn du dich einsam fühlst?

Einsamkeit

Wut

Emotionen dicht unter der Oberfläche

Selbstwert

Verloren sein, den Weg nicht sehen

Mir fällt nichts ein. Mache ich das für mich oder für andere? Mache ich das weil ich es gerne tue oder weil ich dafür Aufmerksamkeit bekomme? Werde ich jemals frei sein? Werde ich mir selbst je genug sein? Wieso brauche ich diese Bestätigung? Mein Lebensweg ist gezeichnet durch den verzweifelten Wunsch nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Wann werde ich mir selbst genügen. Bin das Ich oder ist das der Wunsch nach Aufmerksamkeit? Schreibe ich diese Worte, oder ein Kind? Welcher Teil von mir kann nicht glauben, das er gut ist? Ich schreibe poetry oben drüber damit klar ist, was es werden soll. Da sind keine Worte mehr. Da ist nur Wut. Ich kämpfe verzweifelt um die Liebe von Menschen, die mich ablehnen weil ich so sehr geliebt werden möchte. Welcher Teil von mir ist so bedürftig. Welcher Teil von mir wurde nicht geliebt. Bin ich ganz? Bin ich ein Fraktal? Warum? Ich versuche mein ganzes Leben schon, mich zusammenzusetzen. Wut und Scham. Im Alltag fern, doch nur einen Wimpernschlag entfernt. Traurigkeit. Wie fühlt sich Traurigkeit an? Ein bisschen wie Wut. Scham. Ich schäme mich oft, für vieles. Plötzlich ist sie da, wie ein Schlag in den Nacken. Ich ziehe die Schultern hoch, spanne das Gesicht an. Ich will die Scham nicht fühlen. Ich habe mich selbst ein Viertel Leben lang nicht gefühlt, nur das Gefühl unvollständig zu sein. Ich habe vieles versucht, um dieses Loch zu stopfen. Sport, Drogen, Kriminalität und Geld. Ich sitze in der Schule, und die Lehrerin stellt mich grundlos und zusammenhangslos bloß vor der ganzen Klasse. Lehrer, die mir subtil vermitteln: du bist nicht gut genug, mit jeder 5 in Mathe. Meine Eltern, die mit jeder miesen Note mehr Druck machen und die Schule alles zu sein scheint, was zählt. Mit jeder Note wurde ich ein kleines Stück bitterer. Mit jeder Note begann ich zu glauben, ich passe nicht rein. Ich bin das Problem. Ja Herr Lehrer, Nein Herr Lehrer. Entschuldigen Sie Herr Lehrer, darf ich atmen? Und ich war jung. Ich war jung und neu in der Stadt. Zuhause nicht gesehen gefühlt. Ich war jung, unvollständig und mit Hunger auf das Leben. Ich machte jeden Fehler den die feinen Herrschaften so verteufelt haben, denn ich passe ja nicht rein. Wenn ich eure Liebe nicht haben kann, dann wenigstens eure Ablehnung. Alles ist mehr als Nichts. Ihr tragt eure Krawatten, wie Hunde ein Halsband. Die Drogen helfen, sich selbst nicht zu fühlen. So, wie ihr es mir beigebracht habt. Ich bin euer Produkt. Also fickt euch wenn ihr den Anblick nicht ertragen könnt. Ihr seid so schwach, in eurer emotionalen Bedürftigkeit weil ihr den Anblick nicht ertragen könnt, wenn es jemandem schlecht geht. Warum sonst gibt es Verdrängungsrazzien in der Innenstadt? Oh, ja ihr seid das Produkt unserer Lüge, aber mir egal ich will mich mit mir selbst und den Konsequenzen nicht auseinandersetzen deswegen hetze wir den Junkies und den Obdachlosen lieber die Bullen auf den Arsch anstatt mal konstruktiv zu werden. Fickt euch. Alte weiße Männer, die die emotionale Bedürftigkeit anderer Menschen mit einer unverhältnismäßigen Härte ablehnen, weil sie genau diesen Anteil in sich selbst so sehr hassen. Ihr hasst euch selbst, ihr Wichser und projiziert euren Dreck in die Welt, anstatt vor der eigenen Haustür zu kerren. Ihr seid so schwach und feige unter eurer billigen Fassade, jeder Schwachkopf kann hindurchsehen aber ihr tut so als wäre eure Schmierenkomödie die Realität. Ich war noch ein Kind, völlig verloren und zugekokst in der großen Stadt, auf der Suche nach der nächsten Ablenkung so wie ihr. Ich fühle mich allein, aber eigentlich fühle ich es nicht wirklich. Ihr habt mich nicht zu einem Menschen herangezogen, ich bin ein Produkt. Ich soll Ja und Amen sagen, und zwar dann wenn der Depp da vorne es sagt. Und der Schwachkopf da vorne fühlt sich genauso, aber weil die Wahrheit immer noch hässlicher ist als die Lüge, tut er so als wäre sein Blödsinn pures kognitives Gold, nur weil er sich nicht eingestehen kann dass er irrelevanten Bullshit erzählt. Ob Kurvendiskussion, oder das Alphabet rückwärts macht in der Sache keinen unterschied. Ihr verteufelt das Koks, aber kommt ohne die Flasche Wein jedes Wochenende nicht klar. Ihr sagt mir, was richtig und falsch sei, dabei wisst ihr es selbst nicht. Wut. Die Wut liegt dicht unter der Oberfläche, sie steckt in jedem Wort. Ich pisse auf eure beschissene, heile Fassade von Gesellschaft. Ihr seid ein Haufen von Lügnern und Feiglingen, Ehrlichkeit ist ein Fremdwort für euch. Die Maske ist mit eurem Gesicht so sehr verwachsen, ihr fühlt sie nicht mehr. Ich will auf den Marktplatz gehen und schreien, aber ich traue mich nicht. Ich will mit einem Vorschlaghammer die Wände einreißen; ich will eure Fassade kaputtschlagen. Euer System, eure Gesellschaft ist eine einzige Lüge. Ihr huldigt dem Mammon, ihr kniet nieder und macht den Mund weit auf für den dicken, fetten Schwanz des Geldes. Gleichzeitig aber den Obdachlosen von oben herab beschimpfen, ihr wichser widert mich an. Ich will mehr zu mir Selbst finden, ich bin verschüttet unter den Zwiebelschichten gesellschaftlicher Lügen. Ich wollte ein Gedicht schreiben. Einen schönen Text, mit griffigen Metaphern und dem Leser ein Bild in den Kopf malen, wie es sonst mein Style ist. Stattdessen ist es das hier geworden, ein ungefilterter Gedankenfluss. Ich will mich ausdrücken, aber wäre ich ehrlich, ungefiltert und offen würde man mich verstoßen.

#poetry