Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind alle Kinder in den Körpern von Erwachsenen. Wir haben damals Kaufladen gespielt, mit imitierten Waren und Spielgeld, und wir tun es noch.
Ein Lächeln, ein freundliches Wort. Wir spielen das Skript. Der Bettler neben dem Aldi erscheint zu seiner Schicht. Ich habe kein Bargeld, ich schenke ihm ein Lächeln.
Lächle ich für mich oder für ihn? Es fühlt sich nicht echt an. Es gab Zeiten, da konnte ich ein Lächeln nicht erwidern. Diese junge Frau schenkte mir ein Lächeln, aus Höflichkeit, als knappes nonverbales Hallo.
Ich konnte nicht zurück lächeln, es ging nicht. Heute habe ich mein Lächeln wiedergefunden, aber was bringt es wenn es sich nicht echt anfühlt?
Die Kinder im Aldi fahren mit dem Einkaufswagen lachend durch den Supermarkt, ein pures Kinderlachen. Lächelnd schaue ich ihnen zu, sie bemerken meinen Blick. Ich sehe Skepsis und Zweifel in ihren Gesichtern.
Nachdem die Kinder es vorgemacht haben, erlaube ich mir auch, meinem Impuls nachzugehen und mit dem Einkaufswagen durch den Laden zu fahren. Auf dem Parkplatz fühle ich die kindliche Freude, als Delia mich zieht und ich „schneller“ rufe!
Wir sind Kinder, verschüttet unter den Zwiebelschichten sozialer Erwartungen.
Was ändert sich, wenn das Leben ein Spiel ist?
Wir sind spielende Kinder, und am Ende haben wir nicht gewonnen sondern das Spiel ist vorbei. Wir sind ahnungslos, aber tun so als hätten wir die Regeln des Spiels verstanden.
Als gäbe es einen großen Spielmacher, an dessen Regeln wir uns halten. Wir wissen nicht was wir tun, warum wir es tun.
Die meiste Zeit des Tages sind wir verloren und suchen Halt im Alltag, in belanglosen Handlungen, nur damit wir nicht fühlen wie führungslos wir sind.
Wir sind ein Schiff auf hoher See, aber tun so als hätten wir den Leuchtturm fest im Blick. Lächelnd auf das Ziel zu steuern, dabei ist das Meer dunkel und wild, egal wohin wir segeln.
#poetry
