wie ein zweiter Sommer

Ein neuer Tag steht bevor. Sattgrüne Halme tragen Tautropfen, sie funkeln im Licht. Die Frühlingssonne lässt Nebelschwaden aufsteigen. Ein feiner Dunst hängt in der Luft, wie eine Erinnerung an kalte Tage, ein Versprechen für die Wärme des Sommers.

Über das weite Feld legt sich ein goldener Schimmer. Ein Mirabellenbaum schüttelt sich den Schlaf aus den Gliedern, ein Boquet weißer Blütenblätter, erfasst von einem Frühlingshauch.

Die Zweige der Rotbuchen tragen neue Knospen.

Eine Magnolie zelebriert das Leben in üppiger Blüte.

Auf der Weide grast ein einsames Reh.

Raureif bedeckt das Winterfell. Das Reh hebt den Kopf, es trägt eine Krone aus zartem Sonnenlicht. In den Augen des Rehs liegt die Sehnsucht.

Das Reh, von sanften Lippen liebkost. Der Raureif auf seinem Rücken glitzert in den ersten Strahlen des Tages. Er schmilzt, mit Anbruch des Neubeginns.

Die Blüten der Prunia, getragen von einer leichten Brise. Sie sind das edle Gewand der Frühlingsbraut. Zart und schön, ist sie dem Sommer versprochen, doch sie liebt den Herbst. Die Frühlingsbraut hüllt sich in Nebel, es ist ihr Brautschleier.

Ein alter Baum am Wegesrand, knorrig und vertrocknet, trägt den Mut neuer Blüten.

Prüfend betrachtet Bruder Sol die aufbegehrende Lebenslust,

ich sehe dein Lächeln, im stolzen Posieren der jungen Knospen.

Wie der Frühling, hoffe ich auf ein altes Glück. Im letzten Licht des Tages, will ich dir meine Liebe erklären. Das Abendrot legt sich auf deine sanften Züge. In deinen schönen Augen spiegelt sich das Reh. Ich wärme mich, im Strahlen deiner Liebe.

Es fühlt sich an, wie ein zweiter Sommer.

Der letzte wurde uns genommen. Die Wahrheit brachte den Frost. Ich versuche, die warme Melancholie einzufangen, doch es will mir nicht recht gelingen.

Ich sitze allein in der Küche und versuche mir vorzustellen, wie es wäre wenn du fehlst.

Unsere Wohnung trägt eine Wärme, deine Wärme.

Ich kann die Kälte des Verlusts nicht fühlen, denn du bist da auch wenn du nicht da bist.

Ich bin wie das Reh auf der grünen Wiese, du bist meine Krone.

Du bist ein Licht für mich, und ich darf dich in mir tragen.

Du kehrst zu mir zurück. Wir hatten uns verirrt, wir sind auf der Suche.

Immer gemeinsam, und doch jeder für sich.

Ich bin das Chaos, wie ein Schneesturm, du bist die Ruhe wie Berggipfel.

Ich bin der Berg selbst für dich. Du bist der Fluss für mich.

Wir sind eins in der Rastlosigkeit. Ich hätte dich fast verloren. Wir hätten uns fast verloren.

#poetry


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