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Herbsthain

  • Ein Waldspaziergang

    November 20th, 2024
    November 20, 2024

    Es ist ein kalter Novembertag. Ein grauer, wolkenverhangener Himmel verbirgt das letzte Licht des Tages. Ein leichter Nieselregen legt sich auf meine Schultern.

    Ich werde melancholisch, ich denke an den Tod.
    Knorrige Bäume wiegen sich im Wind, der Winter spielt sein Lied. Die Nordwinde tragen es fort.

    Mein Großvater weint, das hat er noch nie getan. Die Münzen für den Fährmann wiegen schwer in meiner Tasche. Ich versuche Nähe herzustellen, ich habe Angst vor Ablehnung. Er glaubt, er darf nicht danach fragen. Der Fährmann verschwindet lautlos im Nebel. Meine Taschen sind leer.

    Einer plötzlichen Eingebung folgend, weiche ich vom Weg ab. Ein umgestürzter Baum bahnt den Weg über den kalten Bach. Efeu rankt sich um ihn, die alte Rinde ziert neues Leben. Ich ziehe meine Stiefel aus, der Waldboden ist kalt und nass unter meinen Füßen. Langsam wate ich ins Wasser. Dunkle Fluten zerren an mir. Die Kälte schmerzt, aber weniger als ich dachte. Der Bach gibt seine Geheimnisse nicht preis, mein Hund führt mich sicher ans andere Ufer. Warme Stiefel empfangen mich, der Schmerz ist vergessen.

    Ich wandere entlang der trostlosen Kulisse toter Felder, mein Hund schreckt ein paar Krähen auf. Ihr Krächzen zerreißt die Stille. Sie besetzen einen einsamen Baum am Wegesrand und beäugen mich misstrauisch.

    Die Patientin streckt ihre Hand aus. Blind tastet sie ziellos umher. Ihre schlanken Finger greifen etwas, das nicht da ist. Knorrige Zweige des Baumes zittern unter dem Gewicht der Krähen. Ein Windstoß erfasst die alte Eiche, die letzten Blätter werden fortgetragen. Ich nehme die Hand der Patientin. Ihre Augen zucken umher, sie sucht Halt. Sie sieht mich nicht. Ein Leben, hinfortgetragen vom Wind.

    Nach kurzer Zeit betrete ich erneut den Wald, schwarze Pfützen spiegeln mich, wie ein venezianischer Spiegel. Hohe Kiefern stehen dicht an dicht. Sie schlucken das Licht. Ich bleibe stehen, nehme die Szenerie in mich auf. Ein leichtes Schaudern überkommt mich, ich sehe mich nach meinem Hund um.

    Er ist verschwunden. Ich werde unruhig, ich rufe ihn zögernd. Der Wald ist still. Die Baumwipfel schauen zu mir herab. Ich rufe erneut, diesmal bestimmter. Mein Geist formt Schemen und Geister aus Totholz. Ich bin allein im dunklen Wald. Angst, sie packt mich unerbittlich. Die Schemen kommen näher. Ich bin verloren auf dem Weg, verloren im dunklen, kalten Wald. Ich bin auf dem Weg und kann nicht allein sein. Ich hab Angst vor dem Alleinsein.

    Ich bin auf der Suche nach Wärme und Verbindung. Mein Bruder kuschelt sich an mich, das hat er noch nie getan. Das Blut auf seiner Oberlippe ist getrocknet. Unsichtbare Tränen fallen auf ein erkaltendes Herz. Die Schemen des Waldes meinten es nicht gut mit ihm. Ein hübscher Stein versinkt im Meer, geworfen aus Wut und Missgunst. Ich ertrage die Nähe nicht, ich gehe allein in den Wald.

    Mein Hund taucht aus dem Unterholz auf, ich bin dankbar. Die Dämmerung fällt düster auf die Lichtung. Erleichtert lasse ich meinen Blick über das Marschland schweifen. Hier bin ich allein. Die Stimme in meinem Kopf klingt wie ein hyperaktiver Radiomoderator. Die Pause ist vorbei, die Nacht bricht herein. Dunkelheit empfängt mich, tote Blätter reflektieren das wenige Licht und weisen mir den Weg. Mein Hund verschwindet in der Nacht.

    Ein Lichtstrahl zuckt zwischen den Bäumen umher, 2 Jogger kreuzen den Weg. Ich weiche in die Dunkelheit zurück, ich werde Teil des Waldes. Ich trage kein Licht. Ich bin still. Sie laufen vorbei, sie haben mich nicht bemerkt.

    Mein Hund bellt knurrend auf mein stummes Kommando, sie können ihn hören aber nicht sehen. Hastig entfernen sich die Lichtstrahlen.

    In diesem Wald machst du lieber Angst, als selbst Angst zu haben. Die letzten Kilometer liegen nun vor mir. Ich gehe gemächlich weiter.

    Der Nieselregen ist erfroren. Das kalte Licht einer Taschenlampe tastet erneut die Bäume am Wegesrand ab. Ich bleibe außer Reichweite und stelle mir vor, wie es wäre zurückzuschießen.

    Der Wald hat mich verschluckt. Ich bin ein Teil davon. Ich habe Angst vor der Dunkelheit, Angst vor dem Alleinsein. Und doch fühle ich mich wohl, solange ich in der Finsternis verschwinde.

    Ich wandere entlang einer Waldstraße die letzten Meter und löse einen Bewegungsmelder an einem Haus aus. Ich bleibe stehen, beobachte die im Licht tanzenden Schneeflocken. Als ich weitergehe, erlischt das Licht.

    #poetry

  • Poetry

    November 9th, 2024
    November 9, 2024

    Kennst du das, wenn du dich gefangen fühlst? Wenn du der Vogel im Käfig bist? Die Tür steht offen, doch du findest den Weg nicht? Kennst du das, wenn du dich einsam fühlst?

    Einsamkeit

    Wut

    Emotionen dicht unter der Oberfläche

    Selbstwert

    Verloren sein, den Weg nicht sehen

    Mir fällt nichts ein. Mache ich das für mich oder für andere? Mache ich das weil ich es gerne tue oder weil ich dafür Aufmerksamkeit bekomme? Werde ich jemals frei sein? Werde ich mir selbst je genug sein? Wieso brauche ich diese Bestätigung? Mein Lebensweg ist gezeichnet durch den verzweifelten Wunsch nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Wann werde ich mir selbst genügen. Bin das Ich oder ist das der Wunsch nach Aufmerksamkeit? Schreibe ich diese Worte, oder ein Kind? Welcher Teil von mir kann nicht glauben, das er gut ist? Ich schreibe poetry oben drüber damit klar ist, was es werden soll. Da sind keine Worte mehr. Da ist nur Wut. Ich kämpfe verzweifelt um die Liebe von Menschen, die mich ablehnen weil ich so sehr geliebt werden möchte. Welcher Teil von mir ist so bedürftig. Welcher Teil von mir wurde nicht geliebt. Bin ich ganz? Bin ich ein Fraktal? Warum? Ich versuche mein ganzes Leben schon, mich zusammenzusetzen. Wut und Scham. Im Alltag fern, doch nur einen Wimpernschlag entfernt. Traurigkeit. Wie fühlt sich Traurigkeit an? Ein bisschen wie Wut. Scham. Ich schäme mich oft, für vieles. Plötzlich ist sie da, wie ein Schlag in den Nacken. Ich ziehe die Schultern hoch, spanne das Gesicht an. Ich will die Scham nicht fühlen. Ich habe mich selbst ein Viertel Leben lang nicht gefühlt, nur das Gefühl unvollständig zu sein. Ich habe vieles versucht, um dieses Loch zu stopfen. Sport, Drogen, Kriminalität und Geld. Ich sitze in der Schule, und die Lehrerin stellt mich grundlos und zusammenhangslos bloß vor der ganzen Klasse. Lehrer, die mir subtil vermitteln: du bist nicht gut genug, mit jeder 5 in Mathe. Meine Eltern, die mit jeder miesen Note mehr Druck machen und die Schule alles zu sein scheint, was zählt. Mit jeder Note wurde ich ein kleines Stück bitterer. Mit jeder Note begann ich zu glauben, ich passe nicht rein. Ich bin das Problem. Ja Herr Lehrer, Nein Herr Lehrer. Entschuldigen Sie Herr Lehrer, darf ich atmen? Und ich war jung. Ich war jung und neu in der Stadt. Zuhause nicht gesehen gefühlt. Ich war jung, unvollständig und mit Hunger auf das Leben. Ich machte jeden Fehler den die feinen Herrschaften so verteufelt haben, denn ich passe ja nicht rein. Wenn ich eure Liebe nicht haben kann, dann wenigstens eure Ablehnung. Alles ist mehr als Nichts. Ihr tragt eure Krawatten, wie Hunde ein Halsband. Die Drogen helfen, sich selbst nicht zu fühlen. So, wie ihr es mir beigebracht habt. Ich bin euer Produkt. Also fickt euch wenn ihr den Anblick nicht ertragen könnt. Ihr seid so schwach, in eurer emotionalen Bedürftigkeit weil ihr den Anblick nicht ertragen könnt, wenn es jemandem schlecht geht. Warum sonst gibt es Verdrängungsrazzien in der Innenstadt? Oh, ja ihr seid das Produkt unserer Lüge, aber mir egal ich will mich mit mir selbst und den Konsequenzen nicht auseinandersetzen deswegen hetze wir den Junkies und den Obdachlosen lieber die Bullen auf den Arsch anstatt mal konstruktiv zu werden. Fickt euch. Alte weiße Männer, die die emotionale Bedürftigkeit anderer Menschen mit einer unverhältnismäßigen Härte ablehnen, weil sie genau diesen Anteil in sich selbst so sehr hassen. Ihr hasst euch selbst, ihr Wichser und projiziert euren Dreck in die Welt, anstatt vor der eigenen Haustür zu kerren. Ihr seid so schwach und feige unter eurer billigen Fassade, jeder Schwachkopf kann hindurchsehen aber ihr tut so als wäre eure Schmierenkomödie die Realität. Ich war noch ein Kind, völlig verloren und zugekokst in der großen Stadt, auf der Suche nach der nächsten Ablenkung so wie ihr. Ich fühle mich allein, aber eigentlich fühle ich es nicht wirklich. Ihr habt mich nicht zu einem Menschen herangezogen, ich bin ein Produkt. Ich soll Ja und Amen sagen, und zwar dann wenn der Depp da vorne es sagt. Und der Schwachkopf da vorne fühlt sich genauso, aber weil die Wahrheit immer noch hässlicher ist als die Lüge, tut er so als wäre sein Blödsinn pures kognitives Gold, nur weil er sich nicht eingestehen kann dass er irrelevanten Bullshit erzählt. Ob Kurvendiskussion, oder das Alphabet rückwärts macht in der Sache keinen unterschied. Ihr verteufelt das Koks, aber kommt ohne die Flasche Wein jedes Wochenende nicht klar. Ihr sagt mir, was richtig und falsch sei, dabei wisst ihr es selbst nicht. Wut. Die Wut liegt dicht unter der Oberfläche, sie steckt in jedem Wort. Ich pisse auf eure beschissene, heile Fassade von Gesellschaft. Ihr seid ein Haufen von Lügnern und Feiglingen, Ehrlichkeit ist ein Fremdwort für euch. Die Maske ist mit eurem Gesicht so sehr verwachsen, ihr fühlt sie nicht mehr. Ich will auf den Marktplatz gehen und schreien, aber ich traue mich nicht. Ich will mit einem Vorschlaghammer die Wände einreißen; ich will eure Fassade kaputtschlagen. Euer System, eure Gesellschaft ist eine einzige Lüge. Ihr huldigt dem Mammon, ihr kniet nieder und macht den Mund weit auf für den dicken, fetten Schwanz des Geldes. Gleichzeitig aber den Obdachlosen von oben herab beschimpfen, ihr wichser widert mich an. Ich will mehr zu mir Selbst finden, ich bin verschüttet unter den Zwiebelschichten gesellschaftlicher Lügen. Ich wollte ein Gedicht schreiben. Einen schönen Text, mit griffigen Metaphern und dem Leser ein Bild in den Kopf malen, wie es sonst mein Style ist. Stattdessen ist es das hier geworden, ein ungefilterter Gedankenfluss. Ich will mich ausdrücken, aber wäre ich ehrlich, ungefiltert und offen würde man mich verstoßen.

    #poetry

  • Kintsugi

    November 2nd, 2023
    November 2, 2023

    Es war einmal eine Frau, die war allein. Es war einmal eine Frau, die wollte nicht einsam sein. Es war einmal eine Frau, die keck das Kinn hebt und fragt, was hat das Leben für mich zu bieten?

    Du sagst, du bist zerbrochen. Etwas riss dich entzwei, und ließ die Trümmer zurück. Du bist allein. Du bist allein mit deinem Schmerz. Es ist Winter. Eisblumen legen sich auf dein Gesicht. Du fühlst sie nicht. Silberne Linien an deinem Handgelenk. Du zeigst sie nicht. Du weißt dich zu verbergen. Ein funkelndes Lächeln auf makellosem Porzellan. Du bist allein in der Dunkelheit. Du und der Schmerz. Du sagst, du verdienst es so. Lang sind die Wintermonate. Der Schnee verbirgt deine Spuren. Du willst es so. Du bist allein mit dir selbst. Du fühlst dich nicht.

    Eine dicke Schneedecke lastet schwer auf dir. Sie drückt dich nieder. Jeder Schritt ist ein Kampf. Doch du hast dich für das Leben entschieden. Schritt um Schritt wanderst du durch dieses Tal. Kahle Äste strotzen dem Dezemberwind. Eine traurige Geige begleitet das Dämmerlicht. Im letzten Licht des Tages erscheint der Himmel in einem schmutzigen Grau. Du gelangst an einen See. Wie ein schwarzer Spiegel liegt er da. Du zögerst. Du hast Angst. Der Silberstreif am Horizont. Er ist nur für dich sichtbar. Langsam steigst du in den See. Das Wasser umspült dich. Es ist eiskalt. Der Schmerz schwillt langsam an. Er sticht wie tausend Nadeln. Kurz bevor du den Boden unter den Füßen verlierst, hältst du kurz inne. Du schließt die Augen. Und lässt dich fallen. Schwarzes Wasser umgibt dich. Du sinkst immer tiefer. Der See hat Dich verschluckt. Wie ein schwarzer Spiegel liegt er da. Die Angst. Du spürst sie. Sie stellt dir die Nackenhaare auf. Du spürst deinen Herzschlag. Du willst nach Luft schnappen. Doch schwarzes Wasser umgibt dich. Du sinkst immer tiefer. Die Angst. Sie flüstert dir ins Ohr. Die Angst versucht dich zu schützen. Die Angst fürchtet sich. Sie pflanzt dir Gedanken ein. Sie rasen durch deinen Kopf. Du sinkst zum Grund des Sees. Du spürst die Angst. Sie ist hier irgendwo. Du breitest die Arme aus. Und gleitest über den Grund des Sees. Und schließlich findest du die Angst. Sie kauert am Boden, versteckt zwischen Seetang. Sie fürchtet sich noch immer. Du nimmst deine Angst in die Arme. Du spürst, wie sie sich entspannt. Du nimmst deine Angst an die Hand. Ihr schwimmt zusammen zur Oberfläche. Am Ufer angelangt, macht ihr euch auf die Reise. Den weiteren Weg werdet ihr gemeinsam bestreiten.

    Man hat dir gesagt zeig niemals Schwäche. Du pfeifst drauf.

    Ein Riss ziert dein Gesicht. Heiße Tränen sickern durch die Bruchstelle. Eiskristalle schmelzen. Ich sehe durch den Riss hindurch. Ich sehe deinen Schmerz. Silberne Linien an deinem Handgelenk. Sie funkeln in der Frühlingssonne.

    Die Maske bekommt Risse. Du zeigst dich mir. Ich sehe deine Schönheit. Ich sehe deine Wunden. Ich sehe, was es bedeutet Mensch zu sein. Und du tanzt, du tanzt nackt. Die Frühlingssonne zeichnet einen warmen Schimmer auf deine Haut. Das Leben blüht in dir. Du hast dich wieder zusammen gesetzt. Ein goldener Schimmer verläuft entlang des Risses. Stolz und erhobenen Hauptes. Eine Löwin steht vor mir. Du hast ein Feuer entzündet. Es lodert hell in deinen Augen. Der Winter war lang. Der Winter ist fort. Du hast ihn verjagt.

    Du stehst aufrecht. Langsam hebst du Kinn. Du fragst, was hat das Leben für mich zu bieten?

    #poetry

  • Sozialarbeiter

    September 26th, 2023
    September 26, 2023

    Es war einmal ein Sozialarbeiter, der beschloss er müsste Autor werden. Kein besonderes Guter, freilich nicht. Aber er machte es sich zur Lebensaufgabe, sein gesamtes rhetorisches Unvermögen unverblümt zu Papier zu bringen. Und wie er so da saß, und ein Lehrbuch über Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit verfasste, da fühlte er sich richtig gut. Gut mit einem kleinen Schnuff Boshaftigkeit und einer Prise Legasthenie, aber im Grunde gut. So hieb der arme Tropf also erbarmungslos in die Tasten. Die Tasten wollten sich beschweren, aber dieser Luxus war ihnen nicht vergönnt, so trugen sie ihr Schicksal stillschweigend. Einige der Tasten gründeten eine Gewerkschaft und wollten den Sozialarbeiter vor dem oberen Gerichtshof wegen Tastenrechtsverletzung verklagen, aber der hatte seinen Sitz in der Taste Q, welche nur selten vom Sozialarbeiter gehauen wurde. Die Klage wurde abgewiesen und die Tasten mussten die Gerichtskosten tragen. Während der Sozialarbeiter also seine Tastatur misshandelte, überlegte er wie er seine Texte bloß noch an eckender gestalten könne. Und da kam ihm der rettende Gedanke. Er schrieb fortan so lange Sätze, zuweilen vergaß er worum es ihm eigentlich ging. Aber er störte sich nicht groß daran, sondern hackte einfach weiter zusammenhangslosen Kram in seinen armen Computer. Der Computer des Sozialarbeiters war wirklich sehr zu bedauern, nicht nur dass dieser so lange Sätze schrieb dass es einem die Zehennägel beim Lesen kräuselte. Nein, damit noch nicht genug der Abscheulichkeiten. Er bediente sich eines Vokabulars, das bereits vor 200 Jahren erfolgreich ausgestorben war, und damit bis zu jenem schicksalhaften Tag auch sehr glücklich gewesen war. Dazu muss man erwähnen, dass die Leute damals einfach Mitleid mit dem armen Vokabular hatten, und so führten sie es eines schönen Tages hinters Haus und erschlugen es in einem grenzenlosen Akt der christlichen Barmherzigkeit mit einer rostigen Schaufel. Seitdem lag das Vokabular ziemlich tot hinterm Haus und erfreute sich so seines Lebens. Es war ziemlich zufrieden mit seinem neuen Zustand, bis eben jener unsägliche Sozialarbeiter das glücklich ausgestorbene Vokabular auf Teufel komm raus exhumieren musste. Und so kam es, dass der Computer des Sozialarbeiters sich mit diesem Problem befassen musste. Er war wirklich konsterniert über diesen Umstand bodenloser Frechheit. Aber den Sozialarbeiter kümmerte all das Leid nicht, und so verfasste er ein weiteres Kapitel über das Trippelmandat. Das Wort Trippelmandat schämte sich so sehr ob seiner Hässlichkeit, es wollte davon trippeln. Am Ende des Tages war der Sozialarbeiter erschöpft. Er hatte den ganzen Tag Unsinn verzapft, und das immerhin 700 Seiten lang. Im Großen und Ganzen war er schon sehr stolz auf sich. Bevor er zu Bett ging, würzte er seine Texte noch mit einem Hauch von Relativierung der eigenen Aussagen und einer obszönen Beleidigung der Leser. Die Beleidigung allerdings war ihm wirklich gut gelungen, da fand er eine äußerst schallende. So ging er zu Bett und träumte glücklich beseelt von großem Blödsinn. Und wenn er nicht gestorben ist, dann tippt er immer noch zusammenhangslose Wörter in seinen bemitleidenswerten Rechner.

    #poetry

  • Ein schöner Wintertag

    September 26th, 2023
    September 26, 2023

    Ich sehe die Menschen rechts und links ihre Kreise ziehen, scharf geschliffene Kufen auf dünnem Eis, das Wasser darunter ist pechschwarz und verschluckt alles Licht. Ein schwarzes Loch, ein Mahlstrom der unaufhörlich zieht und zerrt an den Eiskunstläufern die Pirouetten schlagen, die Nase hoch getragen im Wind, wohl wissend dass die Halt bietende Eisschicht nur wenige Zentimeter dick ist. Das Gefühl von Sicherheit ist trügerisch und Kontrolle ist der Haken an dem du hängst, der dich unaufhörlich in die Tiefe zieht. Es ist ein schönes Bild, schlanke, zierliche Menschen die lächelnd den Tag auf dem Eis genießen, fast hört man einen langsamen Walzer im Hintergrund spielen. Aber dieses Bild ist nur schön von weitem zu betrachten, bei näherem Hinsehen zerfällt die Idylle. Die Menschen sind dürr, sie zittern, denn ihnen fehlt die menschliche Wärme. Ein jeder gleitet für sich allein. Die lächelnden Gesichter auf den ersten Blick, sind der Versuch eine unmögliche Fassade zu errichten, um die schmerzerfüllten Fratzen, zu einer ausdruckslosen Grimasse des ewigen Schmerzes verzogen, zu verbergen. Während die Kälte und die immerwährende Einsamkeit jegliche Freude entzieht, erzeugen die Kufen auf dem Eis eine Kakophonie des Schreckens. Und jedes Mal wenn wieder ein allein gelassenes Kind die Balance verliert und einbricht, verschwindet in der immerwährenden Dunkelheit, ja dann herrscht kurz Stille. Aber nur für einen Wimpernschlag, und du nimmst Abstand, du sammelst dich, du holst tief Luft, und dann betrachtest du diese schöne Winteridylle, wie diese perfekten Menschen lächelnd ihre Kreise ziehen.

  • Vermissen

    Februar 1st, 2022
    Februar 1, 2022

    wie zwei Hände die suchen, doch einfach nicht zueinander finden

    wie ein gut erzählter Witz, doch die Pointe fehlt

    wie teure Seidenlaken, die unberührt bleiben

    wie zügellose Leidenschaft, doch niemanden um sie zu teilen

    wie ein heißer Sommertag, doch die Nacht ist eiskalt

    wie endlich Wiedersehen, doch die Zeit bleibt stehen

    wie du in meinen Armen, doch nur in meiner Fantasie

    wie auf dem Weg zu dir, doch mit einem Stein in meinem Schuh

    Wie Zartbitterschokolade

    oder der erste Stich eines Tattoos

    wie zwei Seiten einer Medaille

    oder Yin und Yang

    Liebe ist kompliziert.

    Und doch einfach.

    Liebe ist, was zwischen zwei Menschen geschieht. Mit all ihren Facetten.

    Ich liebe dich, dein Simon

    Happy Valentine‘s Day!

    #poetry

  • Beauty in all the madness

    April 2nd, 2021
    April 2, 2021

    Beauty in all the Madness

    Joy in all the Sadness

    The blossom in between the thorns

    Beloved Eyes between Devil‘s horns

    Felicity in all the seething Pain

    A single glance of the sun in all that rain

    A spring snowflake blooming in a glacial dead field

    And those who are crying unashamedly are speaking out truth words

    Those learned how to cut the knot to the face mask

    We damn the drowned and the weak whilst the slipping mask is revealing our ugly tears

    #poetry

  • Zigarettenrauch und Rotwein

    Mai 2nd, 2012
    Mai 2, 2026

    Sie lehnt sich an mich, ich fühle ihre Hand auf meiner Brust

    Sie flüstert in mein Ohr, es gibt nichts, was du jetzt noch tun musst

    Sie schaut mich an, lächelt, wirft ihr Haar zurück.

    Sie macht mich verrückt, mit jeder Sekunde, Stück für Stück

    Im Neonlicht funkeln Schweißperlen auf ihrem Dekolleté

    Ihr langes Kleid verführt mich, als wäre es das feinste Negligé

    Sie ist der Sommer, selbst bei tiefstem Schnee

    Sie reicht mir die Hand und ihre Lippen flüstern Tanz mit mir…

    Sie ist der Nordstern am Firmament und zugleich das Meer, ich bleib bei ihr

    Sie schmiegt sich wieder an mich, und ich rieche ihr Parfum

    Es lässt mich tausend Dinge sagen und versprechen, ich scheue keine Müh’n

    Ihr Kuss hinterlässt meine Sinne benebelt,

    Sie hat mein Weltgefüge mit einem Lächeln aus den Angeln gehebelt

    Ihre Lippen schmecken nach Rotwein und Schokolade,

    Sie weiß was sie will und spielt nicht, keine Fassade, keine Maskerade

    Nun stehen wir draußen, sie zittert, in der kalten Winternacht

    Ihre Garderobe wäre für eine heiße Nacht wie gemacht

    Sie lächelt, ich lege meinen Arm um sie, sie kuschelt sich dicht an

    Ich hol ihr die Sterne vom Himmel, für sie tu ich alles was ich kann

    Dumpf spielt irgendwo Musik, Zigarettenrauch in der Luft

    Ich sage ihr wie viel sie mir bedeutet, sie sagt das hab ich immer schon gewusst

    In Pfützen spiegeln sich bunte Straßenlichter

    Sie raubt mir den Atem, ich bin sprachlos, ein stummer Dichter

    Dicht zusammengedrängt schlendern wir den Gehweg entlang

    #poetry

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